Was ist Kunst der Wissenschaften?

ein Essay von Arturo F. Szeienz



Von Joseph Beuys, der in diesen Tagen seinen 40. Todestag feiert, stammt der Ausspruch: „Ich habe von der Wissenschaft aus mit der Kunst angefangen“. Statt sich dem typischen „Ei oder Henne“-Problem zu widmen, steht bei ihm am Anfang die Badewanne, dann folgt das Fett und die Bildungskatastrophe. Eine Putzfrau säubert die Badewanne, damit sie proper für die Ausstellungseröffnung aussieht. Eine Säuberung der Kunst.


Nach diesem Schlenker sind wir endlich an dem Tripelpunkt: „Kunst-Wissenschaft-Gesellschaft“ angelangt. Dazu eine kurze Erklärung. In der Thermodynamik werden die drei Aggregatszustände „fest“-“flüssig“ - „gasförmig“ auch als Phasen bezeichnet. Nun ist es möglich unter speziellen Temperatur- und Druckbedingungen einen Zustand zu erreichen, an dem alle drei Phasen im Gleichgewicht sind. Das ist der Tripelpunkt. Für Wasser liegt er bei T=0,01°C und einem Druck p=6 mbar. Für ein menschliches Wesen ein sehr ungesundes Klima. Aber es ist möglich einen Eindruck von solchen Gleichgewichten zu bekommen. Im Bergland gibt es häufiger zum Ende des Winters Tauwetter bei Sonnenschein. Zwischen den Bäumen liegt noch das Eis, während es an den sonnenbeschienen Flächen längst getaut ist. Fährt man mit dem Fahrrad an einem solchen Waldrand vorbei, so spürt man deutlich, dass von den Schneeresten ein feuchter kalter Hauch ausgeht, der sich mit der sonnigen Frühlingsluft abwechselt. Hier sind zwei Phasen im Gleichgewicht, dass sich sehr langsam verschiebt.


Wissenschaftskunst kann ohne Gesellschaftsteilnahme nicht existieren. Es gäbe schlicht keine Interessenten dafür mangels Masse. Doch längs der Linie Wissenschaft und Kunst existiert ein Gleichgewicht, welches durch die Gesellschaft verschoben werden kann.


Kunst und Wissenschaft waren in vergangenen Jahrhunderten ausschließlich den gebildeten Kreisen vorbehalten. Diese Kreise bildeten sich aus dem Adel und der Geistlichkeit. Der unmündige Pöbel wurde von Adel und besonders der Geistlichkeit mit angedrohten Höllenstrafen, der sogenannten Offenbarung des Johannes auf Patmos, dessen Schilderungen seiner Horrortrips durch den Genuss von Engelstrompete erst im Jahr 367 von der Westkirche in den Kanon der heiligen Schrift aufgenommen wurde, in Schach gehalten. Kunst diente höchstens zur Steigerung des Glaubens der dummen Schafe, welche nicht schreiben und lesen konnten. Die Wissenschaften waren den höheren Kreisen vorbehalten, solange sie nicht mit dem Weltbild der Geistlichkeit kollidierten.


Mit der Aufklärung verschob sich das Gleichgewicht hin zu dem aufstrebenden Bürgertum. Der Kunst und den Wissenschaften widmete sich nun auch das Bürgertum. Die Volkskultur entwickelte sich mit der Romantik und die Abfallprodukte verblieben bei dem gemeinen Volk, welches noch stets bis in heutige Zeit von der Geistlichkeit gern dumm gehalten wird. In sogenannten „großbürgerlichen Kreisen von CDU, AfD & Co“, wo sich im Bücherschrank in der Giftecke noch Hitlers „mein Kampf“, neben Rosenbergs „Mythus des 20. Jahrhunderts“ befinden und sich in der ersten Reihe nicht minder toxisches tummelt, welche durch Werke von Kurt Ziesel, Hans Habe, Alexander Solschenizyn und neurechten Historikern repräsentiert wird. Dort pflegt man in gehobener Gesprächsrunde gern davon zu sprechen: „Es ist gut, dass es noch die Kirchen gibt. Das ist für die kleinen Leute ganz wichtig, sonst hätten wir noch viel mehr Kriminalität in unserer Gesellschaft.“ Das predigt selbstverständlich die evangelische wie katholische Geistlichkeit eher in „leichter Sprache“ so verschwurbelt, dass keine weiteren Kirchenaustritte dadurch zu befürchten sind.


Eine vollständige Beschlagnahmung von Kunst und Wissenschaft allerdings nahm der Nationalsozialismus vor. Die „Blut und Boden“ - Kunst brachte nicht nur die peinlichsten Werke rassereiner Dilettanten hervor, sondern begeistert bis heute das westdeutsche Publikum wegen seines „hohen Könnens“ und der „naturgetreuen Darstellung“. Mit diesen Prädikaten wurde eine Ausstellung des berüchtigten Nazi-Malers Adolf Wissell in Seelze bei Hannover gewürdigt. Wissell bezeichnete sich stets als "unpolitischen" Maler, der seinem Stil treu blieb - Kitsch ist beständig. Für einen unpolitischen Künstler ist aber dann das Erscheinen auf der Gottbegnadeten - Liste, die im August 1944 von Goebbels mit Einverständnis von Adolf Hitler entstand, äußerst merkwürdig. Dieser Pinselschwinger stammt aus dem „Calenberger Land“ im südwestlichen Teil des Landkreises Hannover.   Wer weiß, wes Geistes Kind die wegen ihrer Redekünste nicht minder berüchtigte Annalena Baerbock aus Pattensen ist, versteht das kulturelle Niveau dieses Landstrichs. Pattensen und Seelze liegen nur wenige Kilometer auseinander.


Im besten Sinne der Hufeisentheorie, ein Merkmal für den westdeutschen „FAZ“- „Welt am Sonntag“-Kulturpessimisten, darf der sozialistische Realismus keinesfalls vergessen werden. Die stalinistische Variante ist noch etwas bäuerlicher. Dimitri Schostakowitsch bewies mit seinen stalinistischen „Jazz-Suiten“, die tatsächlich eher ein Wiener Neujahrskonzert erklingen lassen, die „Flexibilität“ des Gleichgewichtes, wenn die Gesellschaft den Druck erhöht. Dennoch ist dieser sozialistische Realismus nicht von Dauer gewesen und hielt sich nur bei wenigen Künstlern in der DDR. Beispielsweise Werner Tübke, der in seinem Leipziger Fries von 1973 „Arbeiter und Intelligenz“ auch den 1. SED-Bezirkssekretär Paul Fröhlich verewigte. Jener trug maßgeblich zur Sprengung der Universitätskirche in Leipzig anno 1968 bei. Tübkes Bauernkriegspanorama im Bad Frankenhäuser Elefantenklo ist an Peinlichkeit durchaus mit den Bildteppich-Entwürfen eines Werner Peiner zu vergleichen, der in der Nazizeit die Kunstschule Kronenburg in der Eifel betrieb.



Also kann das Ziel einer Kunstwissenschaft nur eine Gratwanderung sein, die sich dem starkem gesellschaftlichem Druck widersetzt oder aber versucht die Gesellschaft vollständig zu integrieren. Das erfordert jedoch eine Klarheit und Verständlichkeit künstlerischer und wissenschaftlicher Werke, die durch die Künstler und Wissenschaftler selbst vermittelt werden müssen. Eine Aufgabe, der nicht Jede oder Jeder gewachsen ist. Daher ein Auftrag an Pädagogen, Journalisten, Moderatoren, Pädagogen und Theologen die eigene Selbstverliebtheit zu verlassen und als Mittler die Absichten der Schaffenden der breiten Masse zu verdeutlichen, ohne daraus Profit für die eigene Kaste zu schlagen. Zur Illustration des gewünschten Ziels sei an eine spezielle Kunst erinnert. Bereits im Werk von Georg Agricola wird auf die Wasserhaltung im Bergbau hingewiesen. Eine technologische Errungenschaft war die Erfindung der Wasserkunst. Von einem Wasserrad angetrieben, über ein Kunstgestänge teilweise Höhenunterschiede bewältigend, lenken die Kunstkreuze die paralelle Gleitbewegung Bewegung zu einem Heben von Grubenwässern aus einem Schacht um. So konnte man nun im Bergbau immer größere Teufen erreichen. Betrachten wir die Ergebnisse der Kunstwissenschaft als eine Förderung von Wasser aus geistiger Tiefe, so wird deutlich, dass dieses Wasser an Alle verteilt werden muss, statt es nur fürAuserwählte zu nutzen oder am Ende gar einfach wegzuschütten. Soziologen bewiesen, dass sich seit der Regentschaft des Herrn Dr. Kohl zu Beginn der Achtziger Jahre eine Ständegesellschaft bildete, die immer weniger den Zutritt von "darunter" Stehenden erlaubt, sich ständig nach außen abgrenzt und heute durch gestiegene Aggressivität der Herrschenden immer anfälliger für schwere gesellschaftliche Konflikte wird. Damit geht auch eine Beschlagnahmung bestimmter Lebensfelder einher. Neben einer Ernährungsmission, die den "aufgeklärten und wissenden" Vegetarier, metaphysisch unterlegt durch evangelische Tiertheologie, vom primitiven Fleischfresser der Unterschicht säuberlich abgrenzt, werden kulturelle Inseln besetzt, wie in Trumps Grönlandswahn, um eine Mauer gegen die anstürmenden Banausen zu errichten. Wobei die Kohl'sche Volksverdummung pikanterweise erst die Banausen ausbildete und sie dann als bildungsbürgerliche Kaste zur Vertretung des „humanistischen, liberalen Bürgertums“ adelte. Die vermeintliche Bildung und ihr Kulturverständnis ist meist so umfassend wie der Inhalt ihres Kulturbeutels. Geistige Kosmetika eines aus der Serie bekannter Modeschöpfer, die exclusiven Eau de WC, allgemein bekannt als "Stallmief", und nicht zu vergessen der Spiegel mit Vergrößerungseigenschaft.

Es gilt das Zitat aus dem neuen Testament, was gern von Vermögenden für sich in Anspruch genommen wird: „Wer viel besitzt, dem wird noch mehr gegeben. Wer wenig hat, dem wird das letzte auch noch genommen werden.“

Das Dumme an diesem Gleichnis ist nur, dass damit gerade nicht die materiellen Güter gemeint sind, sondern die Glaubensstärke und das Maß an Vertrauen an den einen Gott. Der Nichtgläubige kann getrost dies mit dem "Intelligenzquotienten" ersetzen.



Zur Illustration des gewünschten Ziels sei an eine spezielle Kunst erinnert. Bereits im Werk von Georg Agricola wird auf die Wasserhaltung im Bergbau hingewiesen. Eine technologische Errungenschaft war die Erfindung der Wasserkunst. Von einem Wasserrad angetrieben, über ein Kunstgestänge teilweise Höhenunterschiede bewältigend, lenken die Kunstkreuze die paralelle Gleitbewegung Bewegung zu einem Heben von Grubenwässern aus einem Schacht um. So konnte man nun im Bergbau immer größere Teufen erreichen. Betrachten wir die Ergebnisse der Kunstwissenschaft als eine Förderung von Wasser aus geistiger Tiefe, so wird deutlich, dass dieses Wasser an Alle verteilt werden muss, statt es nur für Auserwählte zu nutzen oder am Ende gar einfach wegzuschütten.


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